Linux und LaTeX im Chemiestudium

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Geschichte und Zielsetzung

Ich, Toshiki Ishii, studiere seit Herbst 2012 an der Universität Leipzig Chemie (jetzt im 4. Semester). Mein großes Vorwissen zu Beginn des Studiums nutzte ich, um die ersten Vorlesungen dazu zu zweckentfremden, das Mitschreiben am Computer zu lernen – um das zu einer echten Herausforderung zu machen, wählte ich dazu das Satzsystem LaTeXwiki, mit welchem ich zu diesem Zeitpunkt nur wenig Erfahrung hatte. Entsprechend bedurfte es einer Recherche und Nacharbeit, die ersten Mitschriften zunächst in eine syntaktisch korrekte und dann später in eine lesbare, ästhetisch akzeptable Form zu bringen. Aufgrund des hohen Aufwandes schaffte es dabei nur eine Mitschrift in das Endstadium.

Meine Kenntnisse konnte ich dann im zweiten Semester weiter verbessern. Die Mitschriften hatten von Anfang an eine höhere Qualität und weniger Fehler. Außerdem wurden in dieser Zeit die ersten Protokolle geschrieben. Insbesondere das 76-seitige Protokoll zum Praktikum „Instrumentelle Analytik“ wäre ohne diesen Kenntnisstand innerhalb der 7-Tage-Frist nicht zu bewerkstelligen gewesen. Extra für dieses Projekt schrieb ich mir noch ein Programm, mit dem ich Diagramme mit Datenpunkten leichter in das LaTeX-Paket TikZwiki übernehmen konnte. Dieses verbesserte ich dann bei mehreren Gelegenheiten, zuletzt im Praktikum „Physikalische Chemie“.

Im 3. Semester bin ich dann auf die Grenzen des Machbaren gestoßen. Das Mitschreiben in LaTeX gab ich in der Vorlesung „Organische Chemie“ nach wenigen Tagen auf – das Übernehmen aller Strukturformeln und Skizzen in einer druckreifen Form wäre in der Kürze der Zeit hier einfach nicht möglich gewesen und eine Einbindung aller Grafiken erschien mir zu aufwendig. Da ich nachträglich gebeten wurde, auch aus dieser Vorlesung meine Notizen zur Verfügung zu stellen, habe ich mich dann mit dem Scannen und der nachträglichen verlustbehafteten Datenreduktion meiner eingescannten Mitschriften beschäftigt.

Angesichts der Stunden, die ich über das Semester verteilt allein mit dieser Aufgabe verbracht hatte, wollte ich in den Semesterferien ein Programm schreiben, mit dem sich dieser Prozess automatisieren ließe. Die Aufgabe erschien zunächst sehr reizvoll und ich hatte viele Ideen zur Umsetzung. Die ersten Testläufe waren dann aber doch eher ernüchternd. Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass diese Aufgabe in der Kürze der Semesterferien nicht zu schaffen wäre und dass es auch unverhältnismäßig wäre, diese Menge an Arbeit in das Projekt zu stecken. Stattdessen entschied ich mich, ein Convertible Netbook zuzulegen, mit dem ich dann handschriftliche Notizen direkt in einem Vektorformat aufzeichnen wollte. Auf meiner Suche nach einem Programm, das Vektorgrafiken als TikZ-Code exportiert, bin ich dann jedoch nicht fündig geworden, sodass ich in der letztne Woche der Semesterferien daran machte, mir selbst ein solches Programm zu schreiben. Nach ersten Testläufen war ich von der schlechten Lesbarkeit insbesondere chemischer Strukturformeln sehr enttäuscht, sodass ich kurzerhand einen QnD-Chemiemodus einfügte. Dieser ist momentan noch so umständlich zu bedienen, dass ich ihn noch einmal werde überarbeiten müssen, bevor ich damit wirklich glücklich werden kann. Erste Gedanken für eine einfache und (hoffentlich) intuitive Oberfläche habe ich jedoch bereits, sodass ich, so mich nicht Quelltextfehler stundenlang verfolgen, die Oberfläche im Laufe des Tages in eine nutzbare Form werde bringen können.

Warum fange ich jetzt mit diesem Blog an? – Weil ich festgestellt habe, dass ich es mir zeitlich nicht leisten kann, keinen zu haben. Klingt paradox, ist aber einfach zu erklären: Ich habe im letzten und auch in diesem Semester immer wieder festgestellt, dass ich mich immer wieder mit den gleichen LaTeX- und Linux-Problemen herumschlage, aber jedes Mal aufs Neue stundenlang eine Lösung recherchieren/finden muss, weil ich bereits wieder vergessen habe, wie ich ein Problem in der Vergangenheit gelöst habe. Neulich habe ich einen Blog von einem Ubuntu-Nutzer gefunden, dem vielfach für seine hilfreichen Posts gedankt wurde. Darauf antwortete er an einer Stelle schlicht, dass es ihn freue, dass sein Blog anderen Leuten hilfreich wäre, dass er ihn aber hauptsächlich für sein zukünftiges Selbst schreibe. Genau dieses Ziel verfolge ich mit diesem Blog auch.

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